Die Überlegungen für das Bühnenbild des Stückes „Semmel will zum Zirkus“ begannen mit Assoziationen über Zirkus allgemein. Schnell einigten sich die Regisseurin Edelgard Hansen und ich auf die Begriffe ZELT und REISEN. Zwei große Übersee-
reisekoffer wurden rechts und links als Bühnen-
begrenzung hochkant aufgestellt und aufgeklappt. Oben mit je einer waagerechten Fläche versehen ergaben sie zwei Spielebenen die variabel (teils mit angedeuteten Kulissen) als Wohnwagen-
inneres, Wiese, Dachboden usw. genutzt werden. Zwischen beiden Koffern war Raum für schauspielerische Aktionen mit und ohne Figuren. Eine dazwischen gespannte Wäscheleine ergab weitere Spielmöglichkeiten. Ein großer Sonnenschirm  Ø 2,70 m bildet, um 90 Grad gekippt, den Hintergrund dieser Szenen und deckt Ton- und Lichttechnik ab. Ein sehr stabiles Stativ war nötig um das Schirmgewicht in der gekippten Lage sicher zu halten. Der aufgespannte Schirm war außerdem eine ideale Projektionsfläche für mehrere Schattenspielsequenzen.

Gegen Ende des Stückes verschwinden die Koffer, der Schirm wird geklappt und hochgestellt, ist jetzt Zirkuszelt. Ein kleiner Rundhorizont verstärkt den Zelteindruck bei der folgenden Zirkusvorstellung und deckt gleichzeitig wieder die Technik ab.

Norbert Schwarz, theater minimal
Das andere Theater Nr.69 / 2008